Eine Entscheidung mit Signalwirkung - Garbsener Geld für einen Rasen von Hannover 96?

Sympathie für einen Verein ist das eine. Verantwortungsvolle Haushaltspolitik das andere.

Am vergangenen Samstag nominierte die SPD Garbsen auf ihrem Nominierungsparteitag den amtierenden Bürgermeister Claudio Provenzano erneut als Kandidaten. Die Veranstaltung wurde live bei Instagram übertragen. An dieser Stelle: herzlichen Glückwunsch zur Nominierung.

Im Rahmen des Parteitags wurden auch Videogrußworte eingespielt. Unter anderem meldete sich Samir Ferchichi, Trainer des TSV Havelse. Nach dem Einspieler ging Bürgermeister Provenzano insbesondere auf Ferchichi ein und beschrieb seine Sympathie für den Verein TSV Havelse. Diese Sympathie kann ich gut nachvollziehen. Ich teile diese Sympathie ausdrücklich.

Nur wenige Tage später wurde in einer Stadtratsdebatte deutlich: Sympathien für den TSV Havelse gibt es vermutlich fraktionsübergreifend. Anlass war eine Debatte zu einem Dringlichkeitsantrag der SPD- und CDU-Fraktionen. Beschlossen werden sollte kurzfristig ein einmaliger Zuschuss in Höhe von 150.000 bis zu 200.000 Euro. Trotz fraktionsübergreifender Anerkennung für die Leistungen des TSV, war der Antrag heiß debattiert.

Wofür sollte das Geld beantragt werden?

Nicht für die Jugendförderung.

Nicht für den Breitensport in Garbsen.

Nicht für die Sanierung einer Sportanlage in unserer Stadt.

Laut Antrag geht es um Vereinbarungen zwischen dem TSV Havelse und Hannover 96 im Zusammenhang mit dem Austausch des Rasens im Eilenriedestadion nach entsprechender Nutzung.

Zum Hintergrund: Der TSV Havelse trägt seine Heimspiele in der 3. Liga-Saison 2025/2026 im Eilenriedestadion in Hannover aus, um an die Spielklasse gestellte Anforderungen gerecht zu werden. Neben Zahlungen pro Spiel besteht offenbar auch eine Vereinbarung zum Austausch des Rasens nach entsprechender Nutzung.

Der sportliche Erfolg des TSV Havelse ist zweifellos ein Aushängeschild für Garbsen. Dennoch beschäftigen mich hier haushalts- und förderpolitische Fragen.

Warum bedarf die Erfüllung einer langfristig geschlossenen, privatwirtschaftlichen Vereinbarung eines Dringlichkeitsantrags im Stadtrat?

Die Stadt Garbsen verfügt über eine Sportförderungsrichtlinie. Sie ist klar strukturiert, benennt Voraussetzungen, Eigenanteile, Höchstbeträge – und vor allem: Die geförderten Sportstätten müssen sich in Garbsen befinden. Das ist nachvollziehbar. Ziel ist die Unterstützung der örtlichen Vereine und ihrer Infrastruktur.

Der Antrag bezieht sich nicht auf die Sportförderungsrichtlinie und begründet sich nicht in dessen regulären Verfahren.

Nun ist richtig: Die Sportförderungsrichtlinie zielt nicht auf Profisport ab – und die 3. Liga ist eine Profiliga. Vor diesem Hintergrund stellen sich mir weitere Fragen:

Handelt es sich bei der beantragten Zahlung faktisch um eine Unterstützung zur Erfüllung vertraglicher Verpflichtungen gegenüber einem anderen Verein bzw. Stadionbetreiber?

Können künftig auch andere Institutionen, Vereine oder gar Unternehmen direkte Zuschüsse aus dem städtischen Haushalt beantragen?

Wo ziehen wir die Grenze?

Weder als Bürger dieser Stadt noch als Liberaler waren die Argumente der Antragsteller für mich überzeugend. In der Debatte hatte ich sogar den Eindruck, dass aufgrund der gegebenen Mehrheitsverhältnisse kein großer Erklärungsbedarf gesehen wurde.

Das halte ich für problematisch.

Auch wenn ein Antrag politisch eine Mehrheit findet, bleibt die Verpflichtung, den Einsatz von Steuergeld nachvollziehbar und transparent zu begründen, insbesondere, wenn zusätzliche Haushaltsmittel bereitgestellt werden. Für mich wurde aus der Debatte heraus weder klar woher das Geld kommt, noch welche anderen Projekte ggf. zurückstecken müssen.

Nichtsdestotrotz: Der Antrag wurde mit den Stimmen von SPD und CDU beschlossen.

Andere Vereine in Garbsen sollten diesen Vorgang aufmerksam verfolgen. In der Diskussion wurde mehrfach darauf hingewiesen, dass die Förderung der übrigen Vereine bereits umfangreich sei. Gleichzeitig kündigt der Haushaltsplan 2026 eine systematische Überprüfung freiwilliger Leistungen an. Die Sportförderung ist ausdrücklich als freiwillige Leistung ausgestaltet.

Die entscheidende Frage lautet für mich daher: Welche Prioritäten setzen wir bei begrenzten Mitteln?

Am Ende bleibt – überspitzt formuliert – der Eindruck:

Garbsener Steuergeld fließt in eine Spielstätte des Profifußballs außerhalb unserer Stadt.

Sympathie für einen Verein ist das eine. Verantwortungsvolle Haushaltspolitik das andere.