Kommentar zum Bauvorhaben IGS Garbsen/Grundschule Mitte

Schulen sind keine Prestigeprojekte, sondern Orte der Zukunft. Beim Neubau der IGS Garbsen geht es deshalb um mehr als Architektur – es geht um Prioritäten.

Als Grundschulkind hatte ich immer Angst vor der Schule. Nicht weil ich Angst vor meinen Mitschülern hatte. Auch war mein eher differenziertes Verhältnis zu den Lehrern nicht das Problem. Es lag schlicht und einfach an den Toiletten. Diese erforderten einen langen Weg über den Schulhof, waren alt, dunkel, voller Spinnweben und einfach nur dreckig.

Was sich also früh in meinem Kopf eingebrannt hat, war ein mulmiges Gefühl beim Gedanken an Schultoiletten. Bezeichnend fand ich es als ich kürzlich im Drogeriemarkt auf einer Flasche WC-Reiniger die große Aufschrift „1 Flasche = 5 Cent für saubere Schultoiletten“ las. Mein spöttischer Gedanke: „Schafft es Deutschland heute nur mit Unterstützung der Privatwirtschaft für saubere Schultoiletten zu sorgen?“

Deutschland hat kaum Rohstoffe – aber wir hatten immer kluge Köpfe. Unsere wichtigste Ressource ist Bildung. Und gerade unsere Schülerinnen und Schüler brauchen mehr als Lehrpläne: Sie brauchen sichere Gebäude, moderne Ausstattung – und ganz banal auch saubere Toiletten.

Der Zustand der Schulen ist auch in Garbsen ein andauerndes Thema. Im Jahr 2024 sorgten Sicherheitsmängel in der Grundschule am Saturnring für Aufsehen. Heute ist die Integrierte Gesamtschule (IGS) Garbsen und die Grundschule Garbsen-Mitte wieder ein Thema. Die öffentlichen Planungen für einen Neubau der IGS reichen bis ins Jahr 2018 zurück. Seit sieben Jahren wird geplant – während das Bestandsgebäude weiter verfällt.

Beachtlich ist, wie hoch das geschätzte Investitionsvolumen gestiegen ist. Im Jahr 2018 ging man hier noch von einem Investitionsvolumen von 75 Mio. € (+- 30 %) aus. Heute belaufen sich die Schätzungen auf ~ 208 Mio. €. Sicherlich ist in den letzten 7-8 Jahren viel passiert. Ein Grund für die gestiegenen Kosten sind die gestiegenen Preise fürs Bauen der letzten Jahre. Es zeigt sich also: zuverlässige Bauplanung braucht Geschwindigkeit.

Allerdings lassen sich die Steigerung der geplanten Kosten nicht allein durch natürliche Inflation erklären. Blickt man auf die Planungsskizzen des Baus, kommt zumindest mir nicht sofort in den Sinn, dass es sich um einen Schulbau handelt. Mein Gefühl sagt mir, hier wurde auch groß gedacht. Zum Beispiel beim „Musikhaus am See“, welches mit ~ 30 Millionen einen nicht zu verachtenden Kostenpunkt einnimmt.

Die Stadtverwaltung bemüht sich das Nutzungskonzept des Musikhauses zu begründen. Genannt werden die Unterbringung der Grundschule während der Bauzeit, die Unterbringung der Musikschule und die Vermietung zu Veranstaltungszwecken. Diese Anliegen können in der Gesamtwürdigung berechtigt sein, stellen im Vergleich zum eigentlichen Schulneubau aber eine untergeordnete Rolle dar. Öffentlich fehlen hierzu auch schlüssige Konzepte. Der Stadt sind zudem mindestens seit Mitte 2025 Einwände von Anwohnern zum Bauvorhaben bekannt, die bislang nicht ausgeräumt wurden. An diesem Punkt entstehen Risiken für das Gesamtvorhaben, die zu einer weiteren Verzögerung des Baus dringend benötigter Schulgebäude führen können.

Die FDP Fraktion im Stadtrat hat aus diesem Grund einen Antrag zur Entkopplung der Vorhaben IGS, Grundschule, Energiezentrale und Hausmeisterhaus auf der einen Seite, und dem Musikhaus auf der anderen Seite, eingebracht. Damit soll eine Planungs- und Kostensicherheit, bei gleichzeitiger Würdigung weiterer Interessen der Bürgerinnen und Bürger, erreicht werden. Dies halte ich für richtig.

Unabhängig davon bleiben weitere Fragen:

Wie schaffen wir es Bauvorhaben in Zukunft schneller zum Ziel zu führen?

Wie stellen wir künftig sicher, dass Großprojekte von Beginn an realistisch kalkuliert werden?

Wie können wir in Zukunft einen Sanierungsstau mit gezielten Maßnahmen vermeiden?

Wo ziehen wir die Grenze zwischen notwendiger Modernisierung und architektonischem Anspruch?

Für mich gilt generell: Sicherheitsmängel, Sanierungsstau und lange Bauplanungsphasen – das alles ist kein Versagen einzelner Akteure und auch kein exklusives Problem von Garbsen. Nichtsdestotrotz müssen auch wir in Garbsen in Zukunft zeigen, dass wir gewillt sind uns in vielen Sachen zu verbessern. Gerade für unsere Kinder!

Quellen:

Rats- und Bürgerinformationssystem der Stadtgarbsen

Haushaltspläne 2019 - 2026