Sicherheit in Garbsen – FDP fordert ehrlichen Blick auf Gewaltkriminalität
Die Polizeiliche Kriminalstatistik 2025 zeigt auf den ersten Blick eine positive Entwicklung: In Garbsen sank die Gesamtzahl der registrierten Straftaten von 3.659 Fällen im Jahr 2024 auf 3.630 Fälle im Jahr 2025. Das sind 29 Fälle weniger beziehungsweise ein Rückgang um rund 0,8 Prozent.
Für Marvin Bartsch ist diese Zahl allerdings nur ein Teil des Bildes.
Denn gleichzeitig haben sich einzelne Deliktgruppen deutlich negativ entwickelt. Die Zahl der Rohheitsdelikte stieg innerhalb eines Jahres von 745 auf 813 Fälle. Das sind 68 Fälle mehr und ein Anstieg von rund 9,1 Prozent.
Noch deutlicher fällt die Entwicklung bei der Gewaltkriminalität aus. Darunter erfasst die Polizei unter anderem gefährliche und schwere Körperverletzungen sowie Raub- und Tötungsdelikte. Hier stiegen die Fallzahlen von 138 auf 184 Fälle – ein Plus von rund 33 Prozent innerhalb eines Jahres.
Auch langfristig fällt die Entwicklung der Rohheitsdelikte auf: 2016 registrierte die Polizei 576 Fälle, 2025 waren es 813. Das entspricht einem Anstieg von mehr als 41 Prozent.
Sicherheitsgefühl und Sicherheitslage sind nicht dasselbe
Bartsch hält es deshalb für falsch, die Diskussion ausschließlich über die Gesamtzahl aller Straftaten zu führen. Gleichzeitig warnt er davor, subjektives Sicherheitsgefühl und objektive Kriminalitätsentwicklung gleichzusetzen.
„Mein persönliches Sicherheitsgefühl wird nicht nur durch das geprägt, was direkt in Garbsen passiert. Auch die bundesweite Berichterstattung über schwere Gewalttaten verändert, wie Menschen ihre Umgebung wahrnehmen. Das kann man nicht einfach eins zu eins auf unsere Stadt übertragen.“
Gerade deshalb müsse Politik beide Ebenen auseinanderhalten.
Auf der einen Seite stehe das subjektive Sicherheitsgefühl: Meiden Menschen bestimmte Wege am Abend? Fühlen sie sich an Haltestellen oder auf öffentlichen Plätzen unwohl? Haben Eltern Vertrauen, wenn ihre Kinder abends unterwegs sind?
Auf der anderen Seite stehe die messbare Sicherheitslage. Und hier zeige die PKS für Garbsen eben nicht nur positive Entwicklungen.
„Wenn Rohheitsdelikte um im längerfristigen Trend steigen und die Gewaltkriminalität innerhalb eines Jahres um ein Drittel zunimmt, dann kann ich nicht einfach auf 29 Fälle weniger in der Gesamtstatistik zeigen und sagen: Damit ist alles in Ordnung“, so Bartsch.
Warum die Gesamtzahl allein nicht reicht
Ein Blick hinter den leichten Gesamtrückgang macht die unterschiedlichen Entwicklungen besonders deutlich.
Während die Zahl aller registrierten Straftaten um 29 Fälle sank, gingen allein die erfassten Betäubungsmitteldelikte um 63 Fälle zurück. Die Polizei verweist hierbei maßgeblich auf die veränderte Gesetzeslage nach der Teillegalisierung von Cannabis.
Demgegenüber stehen 68 zusätzliche Rohheitsdelikte.
Für Bartsch zeigt dieser Vergleich, warum Gesamtzahlen zwar wichtig sind, aber allein keine ausreichende Grundlage für die politische Bewertung darstellen.
„Die Gesamtzahl klingt besser, als einige Entwicklungen tatsächlich sind. Sorgen der Menschen lassen sich nicht mit einer Gesamtzahl wegdiskutieren. Gleichzeitig dürfen wir aber auch nicht jede subjektive Unsicherheit automatisch als Beleg dafür nehmen, dass ganz Garbsen unsicher geworden ist. Wir müssen genauer hinschauen.“
Genau diese Differenzierung vermisst Bartsch teilweise in der öffentlichen Debatte.
Kommunikation beeinflusst das Sicherheitsgefühl
Im vergangenen Jahr habe er selbst die Berichterstattung über verschiedene schwere Vorfälle als belastend wahrgenommen.
„Es gab Berichte über brutale Übergriffe. Was mir häufig gefehlt hat, war danach die Einordnung: Handelt es sich um Einzelfälle? Gibt es erkennbare Entwicklungen? Was sagen Polizei und Stadt dazu? Und vor allem: Was wird konkret getan?“
Eine bessere Kommunikation sei deshalb selbst ein Bestandteil von Sicherheitspolitik.
Das bedeutet für Bartsch nicht, laufende Ermittlungen öffentlich zu kommentieren oder Zuständigkeiten der Polizei zu übernehmen. Es gehe vielmehr darum, Entwicklungen verständlich einzuordnen, Maßnahmen zu erklären und den Bürgern zu zeigen, dass Probleme wahrgenommen werden.
Bartsch fordert deshalb eine bessere öffentliche Einordnung der Sicherheitslage für Garbsen.
„Transparenz verhindert keine Straftat. Aber schlechte oder fehlende Kommunikation schafft Raum für Gerüchte und Unsicherheit. Wer Vertrauen will, muss erklären, was passiert und was dagegen getan wird.“
Subjektive Sicherheit: Angsträume praktisch verbessern
Beim Sicherheitsgefühl sieht Bartsch vor allem im öffentlichen Raum konkrete kommunale Möglichkeiten.
Schlecht beleuchtete Wege, unübersichtliche Bereiche, Verschmutzung oder Orte mit wiederkehrenden Konflikten könnten dazu führen, dass Menschen bestimmte Bereiche meiden – unabhängig davon, was eine Gesamtstatistik über die Stadt aussagt.
Solche Angsträume sollen nach Vorstellung der FDP systematischer erfasst und verbessert werden.
Dazu gehören bessere Beleuchtung und Sichtachsen, Sauberkeit und Pflege sowie eine gezieltere Präsenz des kommunalen Ordnungsdienstes an belasteten Orten. Maßnahmen sollen gemeinsam mit Polizei und weiteren zuständigen Stellen abgestimmt werden.
„Wenn jemand einen Weg abends nicht mehr benutzt, hilft es wenig, ihm zu erklären, dass Garbsen statistisch insgesamt gut dasteht. Dann müssen wir uns diesen Weg anschauen und prüfen, was wir konkret verbessern können.“
Objektive Sicherheit: Straftaten möglichst verhindern
Bei der tatsächlichen Kriminalitätsentwicklung reicht es aus Bartschs Sicht hingegen nicht, nur am Erscheinungsbild öffentlicher Räume zu arbeiten.
Hier müsse Prävention früher ansetzen.
Besonders bei jungen Menschen sieht Bartsch eine stärkere Zusammenarbeit zwischen Schulen, Jugendhilfe, Sozialarbeit, Vereinen und Stadt als notwendig an. Auch die Polizei selbst verweist bei der Entwicklung der Jugend- und Gewaltkriminalität auf die Bedeutung von Prävention, Deeskalation und der Zusammenarbeit mit Schulen und Jugendhilfe.
„Wir dürfen Prävention nicht erst beginnen, wenn jemand bereits mehrfach auffällig geworden ist. Gute Sozialarbeit, erreichbare Ansprechpartner und vernünftige Freizeitangebote können Probleme nicht vollständig verhindern. Aber sie können helfen, früher anzusetzen.“
Dazu gehörten für Bartsch auch attraktive Möglichkeiten für Jugendliche, ihre Freizeit selbstbestimmt zu gestalten. Sportvereine, Jugendangebote, Kultur, Musik, Veranstaltungen und eigene Räume seien deshalb nicht nur Fragen der Freizeitpolitik.
„Wenn wir über Jugendprävention reden, müssen wir auch darüber reden, welche Möglichkeiten junge Menschen in Garbsen eigentlich haben. Gute Freizeitangebote ersetzen keine Polizei und keine konsequente Strafverfolgung. Aber Prävention beginnt eben lange bevor eine Straftat passiert.“
Die Stadt kann nicht alles – aber sie darf sich auch nicht wegducken
Bartsch betont ausdrücklich, dass die Stadt Garbsen nur einen Teil der Sicherheitsarchitektur beeinflussen kann.
Polizei und Strafverfolgung sind Aufgaben des Landes Niedersachsen. Auch wesentliche polizeiliche Lagebilder und Ermittlungen liegen nicht in der Verantwortung des Rathauses.
Für einen Bürgermeister sei das aber kein Grund, das Thema weiterzureichen.
„Ein Bürgermeister ist auch Sprachrohr seiner Stadt. Wenn wir Entwicklungen sehen, die uns Sorgen machen, müssen wir sie gegenüber Polizei, Land und Region ansprechen. Gleichzeitig müssen wir vor der eigenen Haustür das tun, wofür wir selbst verantwortlich sind.“
Dazu zählt Bartsch bessere Beleuchtung und Stadtgestaltung ebenso wie einen gezielt eingesetzten Ordnungsdienst, Prävention, Sozialarbeit, Jugendangebote und eine transparentere Sicherheitskommunikation.
Nicht dramatisieren. Nicht kleinreden.
Für Bartsch ist entscheidend, dass die Sicherheitsdebatte nicht zwischen zwei Extremen geführt wird.
Garbsen dürfe weder pauschal als unsichere Stadt dargestellt noch dürften problematische Entwicklungen mit einer positiven Gesamtzahl relativiert werden.
„Es geht nicht darum, Angst zu machen. Es geht darum, Sorgen ernst zu nehmen und Fakten genauso ernst zu nehmen. Manches entwickelt sich positiv, anderes negativ. Genau deshalb müssen wir differenzieren.“
Sein Anspruch als Bürgermeister sei deshalb, subjektives Sicherheitsgefühl und objektive Sicherheitslage gemeinsam zu betrachten – und für beide Bereiche die passenden Maßnahmen zu entwickeln.
„Sicherheit misst sich nicht nur an Gesamtfallzahlen. Sicherheit misst sich auch daran, ob Menschen sich auf dem Heimweg wohlfühlen und ob Eltern darauf vertrauen können, dass ihre Kinder sicher nach Hause kommen. Und wenn die Statistik gleichzeitig zeigt, dass bestimmte Gewaltdelikte deutlich steigen, dann müssen wir handeln.“
Sein Fazit:
„Nicht dramatisieren. Nicht kleinreden. Probleme ehrlich benennen und Lösungen organisieren. Kurz: Sicherheit ernst nehmen.“
Quelle der Kriminalitätszahlen: Polizeiliche Kriminalstatistik 2025 der Polizeiinspektion Garbsen.